Bahnhofsmission Kassel-Wilhelmshöhe

Gegen das Vergessen

von | Apr 26, 2024 | Bahnhofsmission Kassel

Freitag, 26. April 2024, Hessische Allgemeine (Kassel-Mitte) / Kassel

Gedenkfeier für einsam Verstorbene findet am Samstag im Heilhaus statt
VON FABIAN DIEKMANN

Kassel – Keine Familie, nur weit entfernte Angehörige, kaum soziale Kontakte – wenn in Kassel eine Person stirbt, auf die das zutrifft, ist das Ordnungsamt für die Bestattung zuständig. Das passiert jeden dritten Mittwoch im Monat auf dem Hauptfriedhof.

Da Menschen, die sich den Verstorbenen zugehörig fühlen, das oft nicht mitbekommen, findet in diesem Jahr zum zweiten Mal eine Gedenkfeier für einsam Verstorbene statt – am Samstag, 27. April, ab 17.30 Uhr im Heilhaus in Kassel.

Unter dem Motto „Ansehen“ werden dabei wieder die Namen aller 63 im vergangenen Jahr vom Ordnungsamt bestatteten Menschen vorgelesen. Außerdem gibt es verschiedene spirituelle und religiöse Reden sowie musikalische Beiträge.

„Ansehen ist ein guter Titel, weil niemand ungesehen bleibt“, sagt Julia Freiburger von der Kontaktstelle für Trauerkultur. Gemeinsam mit anderen Repräsentanten von Kasseler Vereinen und Institutionen wie der Bahnhofsmission, dem Hospizverein und der Drogenhilfe Nordhessen begleitet sie zusammen mit ihren Kollegen Antje Hartmann und Dirk Stoll auch bei den Mittwochsveranstaltungen die einsam Verstorbenen.

„Die Urnen sollen auf würdige Weise bestattet werden“, erklärt Stoll, der als Pfarrer die Beisetzungen leitet und Reden hält. „Natürlich ist es schön, wenn ein Zugehöriger die Urne trägt, damit sie nicht zum Grab gefahren werden muss.“

Für Holger Wieboldt von der Bahnhofsmission ist das auch ein Zeichen von Solidarität und Wertschätzung. Stoll sieht es außerdem als Generationenvertrag. Da es einigen Menschen auch in Zukunft so gehen kann, wollen dem Pfarrer zufolge viele nun schon die jetzigen einsam Verstorbenen begleiten.

„Das Schwierige ist oft, wie die Menschen von den Beisetzungen erfahren“, sagt Antje Hartmann von der Kontaktstelle für Trauerkultur. „Eine unserer Aufgaben für die Zukunft ist es, dass wir mehr Menschen darauf aufmerksam machen.“

Dazu soll nun auch die zweite zentrale Gedenkfeier für einsam Verstorbene dienen. Sie wird von der evangelischen und der katholischen Kirche zusammen mit dem Museum für Sepulkralkultur, der Stadt Kassel und dem Heilhaus ausgerichtet, in dem sie dieses Jahr stattfindet.

Seit der Veranstaltung im vergangenen Jahr, die gut besucht gewesen sei, waren laut Margot Gorissen vom Hospizverein auch bei den ordnungsrechtlichen Bestattungen jeden dritten Mittwoch im Monat mehr Menschen da. „Viele, die im Moment etwas verarbeiten, kommen gerne dorthin“, sagt ihre Kollegin Astrid Froeb. „Dort hat ihre Trauer einen Ort.“

Zu dem Foto:

Finden sich jeden dritten Mittwoch im Monat zusammen: (von links) Holger Wieboldt (Bahnhofsmission), Antje Hartmann und Dirk Stoll (Kontaktstelle für Trauerkultur), Astrid Froeb und Margot Gorissen (Hospizverein Kassel), Julia Freiburger (Kontaktstelle für Trauerkultur), Timo Eichel und Bastian Brand (Drogenhilfe Nordhessen) gedenken jener, die von der Gesellschaft oft vergessen wurden. Foto: Fabian Diekmann

 

 

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